Unzer im Test: Payment-Lösung für Online-Shop, Kasse und Terminal
Unzer bündelt Zahlungsarten für Online-Shop, Ladenkasse und mobiles Terminal in einer Anbindung. Wir zeigen, für wen sich der Wechsel lohnt und wo die Kosten liegen.
Wer online verkauft, eine Ladenkasse betreibt oder beides gleichzeitig macht, kommt an der Frage nach einem passenden Payment-Partner nicht vorbei. Unzer, ehemals Heidelpay, ist einer der größeren deutschen Anbieter in diesem Markt und positioniert sich als Komplettlösung für B2B-Zahlungen, Kassensysteme, E-Commerce-Checkout, Pay by Link und mobile Kartenterminals. Statt für jeden Kanal einen eigenen Dienstleister zu suchen, sollen Händler bei Unzer alle Zahlungsströme über eine Schnittstelle abwickeln können. In diesem Test schauen wir uns an, wer hinter Unzer steht, wie die Kostenstruktur grob aussieht, welche Terminals und Zahlungsarten angeboten werden und für welche Art von Unternehmen sich ein genauerer Blick lohnt. Da Unzer wie viele Payment-Anbieter individuelle Konditionen verhandelt, stützen wir uns bei Zahlen teilweise auf unabhängige Vergleichsportale statt auf feste Preislisten.
Was ist Unzer?
Unzer ist ein Zahlungsdienstleister mit Sitz in Heidelberg, der 2003 als heidelpay gegründet und 2020 im Zuge einer Neuausrichtung und der Zusammenführung mehrerer europäischer Payment-Anbieter in Unzer umbenannt wurde. Mehrheitseigner ist seit 2020 der Finanzinvestor KKR. Nach eigenen Angaben und Berichten aus der Fachpresse betreut Unzer heute mehrere zehntausend Händler und verarbeitet ein jährliches Transaktionsvolumen im mittleren einstelligen Milliardenbereich an Euro. Das Produktportfolio richtet sich an Unternehmen, die Zahlungen sowohl im E-Commerce als auch im stationären Handel annehmen möchten: Kreditkarten, Girocard, PayPal, Klarna, giropay, Apple Pay, Google Pay und weitere lokale Zahlmethoden lassen sich über eine gemeinsame Schnittstelle einbinden. Ergänzt wird das Angebot um Kassensysteme für den Point of Sale, mobile Kartenterminals, Pay-by-Link-Funktionen für Rechnungen ohne eigenen Shop sowie B2B-orientierte Lösungen wie Ratenkauf oder Rechnungskauf für Geschäftskunden. Unzer tritt damit nicht als klassische Bank, sondern als technischer und vertraglicher Mittler zwischen Händler, Acquirer und Zahlungsnetzwerken auf.
Konditionen und Kosten im Überblick
Wie bei vielen Payment-Dienstleistern veröffentlicht Unzer keine feste, öffentlich einsehbare Preisliste – die Konditionen werden je nach Umsatzvolumen, Branche und Produktmix individuell verhandelt und auf Anfrage erstellt. Nach aktuellem Stand der Vergleichsportale bewegen sich die Transaktionsgebühren für Kartenzahlungen im niedrigen bis mittleren Prozentbereich des Umsatzes zuzüglich eines kleinen Fixbetrags pro Transaktion, wobei Girocard-Zahlungen tendenziell günstiger abgerechnet werden als Kreditkartenzahlungen. Größere Umsatzvolumen sollen laut mehreren Anbieterübersichten zu günstigeren Sätzen führen, kleinere Händler mit geringem monatlichem Umsatz zahlen dagegen tendenziell relativ mehr im Verhältnis. Für stationäre Kartenterminals werden sowohl einmalige Anschaffungskosten als auch monatliche Mietmodelle angeboten; Vergleichsportale nennen für gängige Terminal-Modelle Anschaffungspreise im niedrigen dreistelligen Bereich plus eine monatliche Servicegebühr im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Euro-Bereich. Einige Quellen berichten von zeitlich befristeten Rabattaktionen für Online-Händler, etwa dem Entfall der Servicegebühr in den ersten Monaten. Wer belastbare, auf das eigene Geschäftsmodell zugeschnittene Zahlen braucht, sollte in jedem Fall ein individuelles Angebot einholen, statt sich auf Pauschalwerte zu verlassen.
Terminals, Kassenanbindung und Omnichannel
Ein zentrales Verkaufsargument von Unzer ist die Bandbreite an Hardware und Anbindungsmöglichkeiten. Für den stationären Handel bietet Unzer Kartenterminals verschiedener etablierter Hersteller wie CCV, Ingenico und Verifone an, die sich sowohl fest an der Kasse als auch mobil einsetzen lassen. Über Schnittstellen und Plug-ins lässt sich die Zahlungsabwicklung in bestehende Kassensysteme integrieren, unter anderem wird eine Anbindung an die Kassenlösung Tillhub aktiv beworben. Für kleinere Betriebe ohne eigenes Kassensystem gibt es zudem branchenspezifische Pakete, etwa für Friseursalons oder Einzelhändler. Im Online-Bereich lässt sich Unzer über eine API oder über vorgefertigte Plug-ins für gängige Shopsysteme einbinden, sodass Zahlungsarten im Checkout ohne größeren Entwicklungsaufwand aktiviert werden können. Praktisch für Händler ohne eigenen Shop ist die Pay-by-Link-Funktion: Rechnungen oder Zahlungsaufforderungen lassen sich als Link per E-Mail oder Messenger versenden, der Kunde bezahlt darüber direkt online. In Kombination ergibt sich ein Omnichannel-Ansatz, bei dem Umsätze aus Laden, Onlineshop und Rechnungsversand im selben Backend zusammenlaufen – ein Vorteil vor allem für Händler, die mehrere Vertriebswege parallel betreiben.
Vor- und Nachteile
Der klare Vorteil von Unzer liegt in der Bandbreite: Wer online verkauft, eine Kasse betreibt und zusätzlich Rechnungen per Link versenden möchte, muss nicht drei verschiedene Anbieter koordinieren, sondern bekommt alles über eine vertragliche und technische Schnittstelle. Die Auswahl an Zahlungsarten ist breit und deckt sowohl Kartenzahlungen als auch verbreitete Wallet- und Buy-now-pay-later-Optionen ab. Die lange Historie als heidelpay und die Marktgröße sprechen für einen etablierten, nicht ganz kleinen Anbieter. Auf der Negativseite steht vor allem die fehlende Preistransparenz: Ohne individuelles Angebot lässt sich vorab kaum verlässlich kalkulieren, was die eigene Nutzung tatsächlich kostet, was den Vergleich mit transparenteren Wettbewerbern erschwert. Vergleichsportale weisen zudem darauf hin, dass die Gebühren für kleinere Händler mit geringem Umsatz vergleichsweise hoch ausfallen können, während größere Betriebe von Verhandlungsspielraum profitieren. Auch beim Kundenservice werden gelegentlich längere Reaktionszeiten oder schwierigere Erreichbarkeit bemängelt, wenngleich die Mehrheit der Bewertungen positiv ausfällt. Wer eine einfache, schnell einsehbare Preisliste sucht, wird bei Unzer nicht sofort fündig.
Für wen sich Unzer eignet
Unzer eignet sich in erster Linie für Unternehmen, die über mehrere Kanäle gleichzeitig verkaufen – also etwa einen Onlineshop und ein Ladengeschäft betreiben oder zusätzlich Rechnungen an Geschäftskunden stellen. Wachsende kleine und mittlere Unternehmen mit steigendem Umsatzvolumen profitieren am ehesten von der Verhandlungsbasis bei den Gebühren, da sich die Konditionen mit dem Volumen tendenziell verbessern. Auch Branchen mit spezifischem Bedarf, etwa Friseursalons oder Einzelhändler, die eine passende Kassenintegration suchen, finden bei Unzer vorgefertigte Lösungen. Weniger passend ist der Anbieter für sehr kleine Betriebe oder Einzelunternehmer mit geringem, unregelmäßigem Umsatz, die von den relativ hohen Gebühren im unteren Volumensegment und dem Verhandlungsaufwand für ein individuelles Angebot eher abgeschreckt werden. Wer ausschließlich eine einzelne, sehr einfache Zahlungsfunktion ohne Omnichannel-Anspruch benötigt, findet möglicherweise bei spezialisierten, transparenteren Nischenanbietern eine einfachere Lösung.
Kundenservice und Sicherheit
Unzer gibt an, sich an branchenübliche Sicherheitsstandards wie PCI DSS zu halten und Zahlungsdaten verschlüsselt über moderne SSL/TLS-Technologie zu übertragen. Als etablierter, regulierter Zahlungsdienstleister mit langer Historie und einem großen Investor im Hintergrund erfüllt das Unternehmen die grundlegenden Anforderungen, die man von einem PSP dieser Größenordnung erwarten kann. Bei den öffentlich einsehbaren Kundenbewertungen, etwa auf Trustpilot mit mehreren tausend Rezensionen, zeichnet sich ein gemischtes, in der Tendenz aber positives Bild ab: Gelobt werden häufig die Bandbreite der Zahlungsarten und die zuverlässige Abwicklung, kritisiert werden vereinzelt Wartezeiten im Support oder die Kommunikation bei Rückfragen zu Vertragskonditionen. Vor Vertragsabschluss lohnt sich daher ein genauer Blick auf die individuellen Support-Kanäle und Reaktionszeiten, die im Angebotsgespräch erfragt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet Unzer konkret? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, da die Gebühren je nach Umsatz, Branche und gewähltem Produktmix individuell verhandelt werden. Vergleichsportale nennen Richtwerte im niedrigen bis mittleren Prozentbereich pro Transaktion, verlässliche Zahlen liefert aber nur ein persönliches Angebot. Kann ich Unzer sowohl online als auch im Laden nutzen? Ja, das ist einer der Kernvorteile: Unzer deckt E-Commerce-Checkout, stationäre Kartenterminals, Kassenanbindung und Pay-by-Link-Rechnungen über eine gemeinsame Plattform ab, sodass sich mehrere Vertriebskanäle zusammen abwickeln lassen. Ist Unzer für kleine Unternehmen geeignet? Grundsätzlich ja, allerdings zeigen Vergleichsportale, dass sich die Konditionen mit steigendem Umsatzvolumen verbessern. Sehr kleine Betriebe mit geringem, schwankendem Umsatz sollten die Kosten im Vorfeld genau kalkulieren und mehrere Angebote vergleichen, bevor sie sich entscheiden.
Fazit
Unzer ist ein etablierter deutscher Payment-Anbieter mit breitem Leistungsspektrum, das von der Kassenanbindung über Online-Zahlungen bis zu Pay-by-Link reicht. Wer mehrere Vertriebskanäle bedient und ein gewisses Umsatzvolumen mitbringt, kann von der Bündelung und verhandelbaren Konditionen profitieren. Der größte Kritikpunkt bleibt die fehlende Preistransparenz: Ohne individuelles Angebot lässt sich schwer abschätzen, ob Unzer im Vergleich zu anderen Anbietern tatsächlich günstig ist. Ein sorgfältiger Angebotsvergleich vor Vertragsabschluss ist deshalb empfehlenswert.