Companisto im Test: Crowdinvesting in Startups
Companisto vermittelt Privatanlegern Beteiligungen an Startups schon ab 250 Euro. Der Test zeigt, wie die Plattform funktioniert, was sie kostet und für wen sich das hohe Risiko lohnen kann.
Companisto ist eine der bekanntesten deutschen Crowdinvesting-Plattformen und vermittelt Privatanlegern Beteiligungen an Startups und Wachstumsunternehmen – schon ab einer Mindestanlage von 250 Euro pro Projekt. Statt über eine Bank oder einen klassischen Broker zu investieren, legen Anlegerinnen und Anleger hier direkt Kapital in junge Unternehmen, die auf der Plattform um Finanzierung werben. Im Gegenzug winken potenziell hohe Renditen, falls sich ein Startup gut entwickelt oder verkauft wird. Dieser Test schaut sich an, wie Companisto konkret funktioniert, welche Kosten und Vertragsformen auf Investorinnen und Investoren zukommen, wie hoch das Risiko realistisch einzuschätzen ist und für welchen Anlegertyp die Plattform überhaupt in Frage kommt. Denn Crowdinvesting in Startups ist kein Sparprodukt, sondern eine unternehmerische Beteiligung mit entsprechendem Verlustrisiko.
Was ist Companisto?
Companisto wurde 2012 in Berlin gegründet und zählt zu den etabliertesten Crowdinvesting-Plattformen im deutschsprachigen Raum. Das Geschäftsmodell: Startups und Wachstumsunternehmen präsentieren sich mit Businessplan, Video und Finanzkennzahlen auf der Plattform, um von der „Crowd" Kapital einzusammeln. Anlegerinnen und Anleger können sich bereits ab 250 Euro an einzelnen Projekten beteiligen, während der sogenannte Angel Club finanzstärkeren Investoren ab 10.000 Euro Zugang zu größeren Beteiligungsrunden bietet. Nach eigenen Angaben hat Companisto bislang mehrere hundert Unternehmen finanziert, und mehr als 170.000 registrierte Nutzerinnen und Nutzer sollen die Plattform inzwischen nutzen. Companisto ist bei der BaFin registriert, was allerdings nicht bedeutet, dass die Anlagen selbst staatlich abgesichert sind – die Aufsicht betrifft die Zulassung als Vermittlerin von Vermögensanlagen, nicht eine Garantie für das eingesetzte Kapital.
Konditionen und Kosten im Überblick
Für Investorinnen und Investoren erhebt Companisto beim Kauf einer Beteiligung selbst keine direkten Gebühren – der Einstieg auf dem Primärmarkt ist kostenfrei. Verdient wird stattdessen über eine Erfolgsbeteiligung an den Auszahlungen: Vergleichsportale nennen hier unterschiedliche Prozentsätze, die je nach Quelle zwischen rund 10 und 15 Prozent der ausgezahlten Gewinne beziehungsweise Exit-Erlöse liegen sollen. Wichtig ist der Grundgedanke dahinter: Fällt kein Gewinn an, entstehen für Anlegerinnen und Anleger nach diesen Angaben auch keine Kosten – die Beteiligung von Companisto ist an den tatsächlichen Erfolg der Investition gekoppelt. Die Mindestanlage von 250 Euro macht den Einstieg vergleichsweise niedrigschwellig, wobei Anlegerinnen und Anleger üblicherweise über mehrere Projekte streuen sollten, um das Risiko einzelner Ausfälle abzufedern. Rechtlich handelt es sich bei den Beteiligungen in der Regel um partiarische Nachrangdarlehen: Anlegerinnen und Anleger erhalten keinen festen Zins, sondern eine gewinnabhängige Beteiligung, die im Erfolgsfall auch deutlich über klassischen Zinssätzen liegen kann. Im Insolvenzfall des Startups werden Nachrangdarlehen jedoch erst nach vorrangigen Gläubigern bedient, was das Verlustrisiko im Vergleich zu klassischen Krediten erhöht.
Risiko und Ausfallquote bei Startup-Investments
Der entscheidende Unterschied zu klassischen Geldanlagen liegt im Risikoprofil: Bei Crowdinvesting in Startups kann ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals eintreten, wenn das finanzierte Unternehmen scheitert. Vergleichsportale und Erfahrungsberichte beziffern die Ausfallquote bei den über Companisto finanzierten Unternehmen – je nach Zählweise und Betrachtungszeitraum – auf einen Bereich zwischen etwa 12 und 21 Prozent. Das deckt sich mit der grundsätzlichen Erfahrung im Startup-Bereich, wo ein erheblicher Teil junger Unternehmen die ersten Jahre nicht überlebt. Companisto wirbt zwar mit einem kuratierten Auswahlprozess, bei dem interne Experten Projekte vorab prüfen, sowie mit Investmentanalysen und Live-Videokonferenzen mit den Gründerteams – das ändert aber nichts daran, dass jede Einzelbeteiligung ein unternehmerisches Risiko bleibt. Hinzu kommt die eingeschränkte Liquidität: Ein etablierter Sekundärmarkt, über den Anlegerinnen und Anleger ihre Anteile vorzeitig verkaufen könnten, existiert nach aktuellem Stand nicht in nennenswertem Umfang. Wer investiert, muss also grundsätzlich damit rechnen, das Kapital über Jahre gebunden zu haben, bis ein Exit, eine Rückzahlung oder ein Ausfall eintritt.
Vor- und Nachteile
Für Companisto spricht der niedrigschwellige Einstieg ab 250 Euro, der es auch kleineren Anlegerinnen und Anlegern erlaubt, sich an mehreren Startups zu beteiligen und so zu streuen. Die erfolgsabhängige Vergütung sorgt dafür, dass keine laufenden Kosten anfallen, wenn eine Beteiligung nicht die erwartete Rendite bringt. Die BaFin-Registrierung und die langjährige Marktpräsenz seit 2012 sprechen für eine etablierte, seriös arbeitende Plattform, und die vergleichsweise gute Trustpilot-Bewertung deutet auf zufriedene Nutzerinnen und Nutzer hin. Dem stehen deutliche Nachteile gegenüber: Das Verlustrisiko ist bei Startup-Investments strukturell hoch, und die genannten Ausfallquoten liegen im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Die fehlende Handelbarkeit der Beteiligungen bedeutet, dass Kapital oft über Jahre gebunden ist, ohne dass ein vorzeitiger Ausstieg realistisch möglich wäre. Zudem sind die genauen Gebührensätze je nach Quelle uneinheitlich dargestellt, was die Kalkulation der tatsächlichen Nettorendite erschwert. Wer auf Sicherheit oder kurzfristige Verfügbarkeit angewiesen ist, findet bei Companisto grundsätzlich das falsche Produkt.
Für wen sich Companisto eignet
Companisto richtet sich an Anlegerinnen und Anleger, die einen kleinen Teil ihres Vermögens bewusst in Startups investieren möchten und dabei sowohl das Chancen- als auch das Risikoprofil dieser Anlageklasse verstehen. Geeignet ist die Plattform für Menschen, die Erfahrung mit riskanteren Anlageformen haben, sich für Innovation und junge Unternehmen interessieren und bereit sind, Geld über mehrere Jahre ohne Zugriffsmöglichkeit zu binden. Der Angel Club mit einer Mindestanlage von 10.000 Euro spricht zusätzlich finanzstärkere Investorinnen und Investoren an, die größere Tickets in ausgewählte Runden investieren wollen. Wer hingegen sein Kapital für die Altersvorsorge, kurzfristige Ziele oder ohne Risikopuffer anlegen möchte, sollte auf klassischere und liquidere Anlageformen wie ETFs, Tagesgeld oder breit gestreute Fondssparpläne zurückgreifen. Als Beimischung in einem ansonsten diversifizierten Portfolio – mit einem Betrag, dessen Totalverlust verschmerzbar wäre – kann Companisto für risikobereite Anlegerinnen und Anleger dagegen eine interessante Ergänzung darstellen.
Kundenservice und Sicherheit
Companisto bietet Investorinnen und Investoren einen kostenfreien telefonischen Support über eine deutsche Servicerufnummer sowie eine internationale Servicenummer, erreichbar montags bis freitags zwischen 9 und 18 Uhr. Ergänzend stehen E-Mail-Support und Informationsmaterial zu den einzelnen Investmentangeboten zur Verfügung. Die Plattform ist bei der BaFin registriert, was formale Anforderungen an Transparenz und Vermittlung von Vermögensanlagen mit sich bringt, jedoch – wie bereits erwähnt – keine Absicherung des investierten Kapitals bedeutet, wie sie etwa die gesetzliche Einlagensicherung für Bankguthaben vorsieht. Vor jeder Investition stellt Companisto nach eigenen Angaben Vermögensanlagen-Informationsblätter und weitere rechtlich vorgeschriebene Unterlagen bereit, die Anlegerinnen und Anleger vor der Zeichnung prüfen sollten. Wer investiert, sollte sich unabhängig vom Marketing der Plattform selbst ein Bild von der Geschäftsidee, dem Team und den Risiken des jeweiligen Startups machen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Geld benötige ich, um bei Companisto zu investieren? Für reguläre Beteiligungen reicht bereits eine Mindestanlage von 250 Euro pro Projekt aus, während der Angel Club für größere Investitionen ab 10.000 Euro konzipiert ist. Kann ich mein investiertes Geld jederzeit wieder abziehen? Nein, ein Ausstieg vor Vertragsende ist bei den meisten Beteiligungsformen nur eingeschränkt möglich, da kein etablierter Sekundärmarkt für den Handel mit Anteilen existiert; das Kapital ist in der Regel über einen längeren Zeitraum gebunden. Wie hoch ist das Risiko, mein Geld komplett zu verlieren? Das Risiko ist bei Crowdinvesting in Startups strukturell erheblich, da ein relevanter Teil der finanzierten Unternehmen scheitert; Vergleichsportale nennen Ausfallquoten im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich, weshalb ein Totalverlust einzelner Beteiligungen einkalkuliert werden sollte.
Fazit
Companisto ist eine etablierte, BaFin-registrierte Plattform, die einen niedrigschwelligen Einstieg in Startup-Investments ermöglicht und mit einer erfolgsabhängigen statt fixen Kostenstruktur arbeitet. Für Anlegerinnen und Anleger, die das unternehmerische Risiko verstehen, Kapital streuen und über Jahre auf Liquidität verzichten können, ist die Plattform eine nachvollziehbare Option innerhalb eines diversifizierten Portfolios. Wegen der spürbaren Ausfallquoten, der eingeschränkten Handelbarkeit und der uneinheitlich dargestellten Gebühren eignet sich Companisto jedoch nicht als Kernanlage und nicht für sicherheitsorientierte Sparerinnen und Sparer. Wer investiert, sollte nur Geld einsetzen, dessen vollständiger Verlust verschmerzbar wäre.