Accountable im Test: Geschäftskonto mit Steuer-Automatik für Freelancer
Accountable verbindet ein kostenloses Geschäftskonto mit Buchhaltung und Steuererklärung in einer App. Wir haben geprüft, wie das Zusammenspiel in der Praxis funktioniert und für wen es sich lohnt.
Accountable ist in Deutschland vor allem als Steuer- und Buchhaltungs-App für Freiberufler und Selbstständige bekannt, hat sein Angebot inzwischen aber um ein eigenes Geschäftskonto erweitert. Statt Banking, Buchhaltung und Steuererklärung über mehrere Anbieter zu verteilen, sollen alle drei Bereiche in einer App zusammenlaufen: Kontoumsätze werden automatisch erfasst, Belege zugeordnet und Steuerrücklagen berechnet. In diesem Test schauen wir uns an, wie das Geschäftskonto von Accountable konditioniert ist, wie es sich in den Alltag von Freelancern einfügt und wo die Grenzen des Angebots liegen. Grundlage sind die im Partnerprogramm hinterlegten Kontokonditionen sowie ergänzende Informationen von Accountable selbst und aus Vergleichsportalen.
Was ist Accountable?
Accountable wurde 2020 von Tino Keller und Nicolas Quarré gegründet und hat sich zunächst als App für die automatisierte Steuererklärung von Freiberuflern positioniert, mit direkter Übermittlung an das Finanzamt per ELSTER. Nach Angaben des Anbieters nutzen mittlerweile mehr als 100.000 Selbstständige in Deutschland und Belgien die App. Rechtlich handelt es sich um Accountable SA, ein von der belgischen Nationalbank zugelassenes Unternehmen, das in Deutschland über eine PSD2-Erlaubnis verfügt und in diesem Rahmen von der BaFin beaufsichtigt wird. Das Geschäftskonto selbst ist kein klassisches Bankkonto, sondern wird technisch über den regulierten Zahlungsdienstleister Swan abgewickelt, die Kundengelder werden bei einer Bank in Frankreich verwahrt. Zielgruppe sind laut den im Partnerprogramm hinterlegten Angaben ausdrücklich Freelancer, Einzelunternehmer und Kleingewerbetreibende – größere Firmen oder Kapitalgesellschaften spricht Accountable nicht an.
Konditionen und Kosten im Überblick
Nach den im Partnerprogramm hinterlegten Konditionen ist die Kontoführung kostenlos: Der Jahrespreis für das Konto liegt bei 0 Euro, ebenso wie die Kosten für Online-Transaktionen, die unabhängig vom monatlichen Buchungsvolumen mit 0 Euro angegeben sind. Ein eingeräumter Dispokredit ist in den Daten nicht hinterlegt, für eine geduldete Überziehung wird kein Zinssatz ausgewiesen. In der Summe ergibt die hinterlegte Kostenkalkulation für Kontoführung, Buchungen und Kartennutzung einen Gesamtwert von 0 Euro. Als Kontoinhaber profitiert man laut den hinterlegten Vorteilen von einer kostenlosen Kreditkarte und kostenlosen, beleglosen Buchungen. Vergleichsportale ergänzen, dass auch Echtzeitüberweisungen innerhalb Europas ohne Zusatzkosten möglich sein sollen und dass Buchungen unbegrenzt kostenlos bleiben. Wichtig für die Einordnung: Das Konto ist ein Zusatzbaustein innerhalb der Accountable-App, deren eigentliches Kerngeschäft die kostenpflichtigen Buchhaltungs- und Steuerpakete sind, die laut Anbieterangaben je nach Umfang zwischen rund 10 und knapp 60 Euro monatlich (im Jahresabo) kosten. Das Konto selbst lässt sich davon unabhängig nutzen, wird aber erst im Zusammenspiel mit der App wirklich zum zentralen Werkzeug.
Steuer- und Buchhaltungsfunktionen als Unterscheidungsmerkmal
Der eigentliche Unterschied zu klassischen Geschäftskonten liegt nicht im Konto selbst, sondern in der Verzahnung mit Buchhaltung und Steuer. Kontobewegungen werden direkt in der App verbucht, Belege lassen sich per Foto zuordnen, und ein Teil des eingehenden Geldes kann automatisch für Einkommensteuer, Umsatzsteuer oder Gewerbesteuer zurückgelegt werden. Rechnungen und Ausgaben lassen sich laut Anbieter direkt aus der App heraus bezahlen, sodass Zahlungseingang und Buchhaltung ohne separaten Export zusammenfallen. Für Nutzer, die ihre Steuererklärung ohnehin über Accountable einreichen, entsteht so ein durchgehender Workflow von der Zahlung bis zur ELSTER-Übermittlung. Wer das Konto dagegen nur als reines Zahlungskonto nutzt und Buchhaltung oder Steuer anderswo erledigt, verzichtet auf diesen Vorteil und bekommt letztlich ein einfaches Konto mit begrenztem Funktionsumfang – klassische Extras wie Bargeldeinzahlung, Filialservice oder komplexere Firmenkonten-Strukturen fehlen.
Vor- und Nachteile
Für Accountable spricht zunächst der Preis: Laut den hinterlegten Konditionen fallen weder für die Kontoführung noch für Online-Buchungen Kosten an, was das Konto gerade für Freelancer mit schwankendem oder niedrigem Umsatz attraktiv macht. Positiv ist außerdem die enge Verbindung zu Buchhaltung und Steuer, die manuellen Aufwand reduzieren kann, sowie eine deutsche IBAN trotz ausländischer Kontoführung. Die Einlagen sind über den französischen Einlagensicherungsfonds bis 100.000 Euro abgesichert, was formal dem deutschen Schutzniveau entspricht. Auf der anderen Seite ist Accountable kein Vollbanking-Angebot: Ein Dispokredit ist nicht vorgesehen, klassische Filial- oder Telefonberatung fehlt, und die Kontoführung ist an die Nutzung der App gebunden. Vergleichsportale weisen zudem darauf hin, dass Bareinzahlungen nicht möglich sind und dass eine physische Kreditkarte je nach Tarif mit einer einmaligen Gebühr verbunden sein kann, während die digitale Karte kostenlos bleibt. Wer ein Konto für eine GmbH oder mit komplexeren Anforderungen sucht, wird bei Accountable nicht fündig, da sich das Angebot ausschließlich an Einzelpersonen richtet.
Für wen sich Accountable eignet
Accountable eignet sich vor allem für Freiberufler, Einzelunternehmer und kleine Gewerbetreibende, die Banking, Buchhaltung und Steuererklärung möglichst in einer Anwendung bündeln wollen. Besonders für Berufseinsteiger in die Selbstständigkeit, die noch wenig Erfahrung mit Steuerthemen haben, kann die automatische Rücklagenbildung und die geführte Steuererklärung ein echter Mehrwert sein. Auch wer overwiegend digital zahlt und selten oder nie Bargeld einzahlen muss, dürfte mit den Einschränkungen des Kontos gut zurechtkommen. Weniger geeignet ist Accountable für Unternehmen mit mehreren Gesellschaftern, für Kapitalgesellschaften oder für Selbstständige, die auf eine klassische Bankbeziehung mit Filiale, Dispo oder persönlicher Beratung Wert legen. Wer bereits eine etablierte Buchhaltungssoftware nutzt und nur ein Konto sucht, sollte abwägen, ob der Zusatznutzen der Steuerintegration den Umstieg rechtfertigt oder ob ein reines Geschäftskonto ausreicht.
Kundenservice und Sicherheit
Beim Support setzt Accountable laut Testberichten auf einen Mix aus Wissensdatenbank, Chat-Support und telefonischer Erreichbarkeit, ergänzt um sogenannte Steuer-Coaches, die bei Fragen zur Steuererklärung unterstützen sollen. In Sicherheitsfragen ist relevant, dass es sich bei Accountable nicht um eine klassische Bank handelt: Die Zulassung erfolgt über die belgische Nationalbank, in Deutschland greift eine PSD2-Erlaubnis unter Aufsicht der BaFin, während die eigentliche Kontoführung über den Zahlungsdienstleister Swan mit Verwahrung der Gelder in Frankreich läuft. Die Einlagensicherung erfolgt entsprechend über den französischen Fonds de Garantie des Dépôts et de Résolution und deckt Guthaben bis 100.000 Euro pro Kunde ab – der Höhe nach identisch mit der deutschen Einlagensicherung, rechtlich aber über ein anderes System organisiert.
Häufig gestellte Fragen
Ist das Accountable Geschäftskonto wirklich kostenlos? Nach den hinterlegten Konditionen fallen für Kontoführung und Online-Transaktionen keine Gebühren an, der ausgewiesene Jahreswert liegt bei 0 Euro. Für Zusatzfunktionen wie die vollständige Steuererklärung oder erweiterte Buchhaltung sind allerdings kostenpflichtige Abo-Stufen der App vorgesehen.
Ist Accountable eine Bank? Nein, Accountable ist keine Bank im klassischen Sinn, sondern arbeitet mit dem regulierten Zahlungsdienstleister Swan zusammen, der Konten technisch führt und Gelder in Frankreich verwahrt; Accountable selbst verfügt über eine PSD2-Zulassung.
Für wen ist das Konto gedacht? Laut den hinterlegten Zielgruppenangaben richtet sich das Angebot an Freiberufler, Einzelunternehmer und Kleingewerbetreibende, nicht an Kapitalgesellschaften oder größere Firmen mit mehreren Gesellschaftern.
Fazit
Accountable ist kein Geschäftskonto im klassischen Sinn, sondern der Banking-Baustein einer Steuer- und Buchhaltungs-App für Selbstständige. Die hinterlegten Konditionen zeigen ein kostenloses Konto ohne Buchungsgebühren, dessen eigentlicher Reiz aber in der Verzahnung mit Steuerrücklagen, Belegerfassung und ELSTER-Übermittlung liegt. Für Freelancer, die genau diese Kombination suchen, kann sich das Angebot lohnen; wer nur ein reines Zahlungskonto braucht, findet am Markt vergleichbar günstige Alternativen mit klassischerem Bankstatus.